Was ein Wärmebild aussagt – und was nicht
Eine Wärmebildkamera misst keine Temperatur im Inneren eines Bauteils, sondern die Strahlung an seiner Oberfläche. Aus dieser Strahlung wird unter Annahme eines Emissionsgrads eine Oberflächentemperatur berechnet. Für belastbare Aussagen müssen deshalb die Randbedingungen stimmen: bekannte Materialien, keine direkte Sonneneinstrahlung, ausreichende Temperaturdifferenz und moderater Wind.
Was das Wärmebild zuverlässig leistet, ist der Vergleich: Warum ist diese Fläche wärmer als die daneben, obwohl beide gleich aufgebaut sein sollten? Aus dieser Frage entstehen die eigentlichen Befunde. Absolutwerte spielen dabei eine untergeordnete Rolle, relative Unterschiede sind die eigentliche Messgröße.
Radiometrie statt Falschfarbenbild
Ein einfaches Wärmebild speichert nur Farben. Ein radiometrisches Bild speichert je Pixel einen Temperaturwert – dadurch lassen sich Messpunkte, Linienprofile und Vergleichsflächen nachträglich in der Auswertesoftware setzen, ohne erneut vor Ort zu sein.
Für die Dokumentation heißt das: Die Temperaturdifferenz zwischen einer auffälligen Stelle und ihrer Referenzfläche ist nachprüfbar, und spätere Befliegungen können exakt dieselben Auswertepunkte verwenden.
Anwendungsfelder über die Gebäudehülle hinaus
Neben der Gebäudethermografie setzen wir das Verfahren an technischen Anlagen ein. In der Elektrothermografie werden Übergangswiderstände an Klemmen, Sicherungen und Verbindern sichtbar, bevor sie zum Ausfall führen. An Fernwärme- und Rohrleitungstrassen zeichnen sich Leckagen als lineare Wärmespur im Boden ab.
In allen Fällen gilt dieselbe Grundregel: Die Anlage muss unter Last stehen. Eine abgeschaltete Anlage zeigt keine thermischen Auffälligkeiten, weil die auslösende Verlustleistung fehlt.